Swatch - die Armbanduhr mit Kultcharakter

Swatch - kaum eine Uhrenmarke ist bekannter und populärer als die schrillen Plastikuhren des Schweizer Herstellers, der mit seinem innovativen Look der Armbanduhrenindustrie nicht nur neuen Aufschwung verlieh, sondern der es auch schaffte aus einem simplen Zeitmesser ein wahres Kultobjekt zu machen. Swatch-Uhren gehören zu den meistproduzierten weltweit; Eines der obersten und ehrgeizigsten Zieles des Konzerns: bis zum Jahre 2033 satte 1111 Millionen Swatch-Uhren zu verkaufen.

Swatch Uhren - Retter in der Not

Bis zu den 1980er Jahren litt die Armbanduhr unter einem starken Statusverlust, der sich merklich in schwindenden Umsatzzahlen äußerste. Insbesondere die Schweizer Uhrenmanufakturen bekamen diesen Negativtrend schmerzlich zu spüren, dabei war das Problem teilweise sogar hausgemacht. Gerade Uhren aus der Schweiz, deren Qualitätsstandard weit über dem der restlichen Welt lag, und auch noch heute liegt, galten und gelten als quasi unkaputtbar. Sowohl die Präzision der Schweizer Uhrenwerke, wie auch die hochwertige Verarbeitung von Armbändern, Verschlüssen und Gehäusen, führten dazu, dass man einfach keine neuen Uhren benötigte. Hinzu kam die starke Konkurrenz asiatischer Länder, die zwar nur im Preis, und damit im Umsatz, den Schweizer Uhrenmachern den Rang ablaufen konnten, qualitativ aber natürlich hinterher hinkten. Dies schuf einen ganz neuen Markt für Billiguhren, einem Segment auf das die Schweizer sich unmöglich einlassen konnten und wollten.
Es herrschte Flaute auf dem Uhrenmarkt - zumindest dort, wo Qualität und hoher Preis gefordert wurden. Die Rettung lieferte Swatch, und der Ansatz war dabei eigentlich doch herzlich simpel. Wenn die Menschen schon keine neuen Uhren mehr kaufen "müssen", weil sie einfach noch laufen wie am ersten Tag, dann muss man die Menschen eben irgendwie dazu bringen neue Uhren kaufen zu "wollen". Abwechslung war hier das Zauberwort - die Armbanduhr musste abwechslungsreicher, trendiger, und vor Allem aber auch zeitgemäßer werden. Die 80er waren eine schrille Generation - Zeit für schrille Uhren. Swatch setzte dabei auf das Material der 80er überhaupt: Plastik. Und was dann geschah war nicht nur einzigartig in der Geschichte der Armbanduhr, sondern rettete der Schweizer Uhrenindustrie auf gut Deutsch den Arsch.

Plastik soweit das Auge reicht - Kultobjekt Swatchuhr

Plastik als Ausgangsmaterial für Gehäuse und Armbänder brachte die wichtigste aller Eigenschaften mit: Es ist bunt und wandelbar - nahezu grenzenlos. Einer der erfolgreichsten Aufhänger war die thematische und optische Angleichung von Armband an Gehäuse und Ziffernblatt. Ein Großteil der Swatchuhren war nach diesem Prinzip aufgebaut - hinzu kam ein zeitgemäßes schrilles und buntes Design mit Hang zur Extravaganz. Swatch Uhren waren neu, und hielten sich kein bisschen an die Norm. Das kam der Jugend der 80er Jahre gerade recht, und das Konzept ging auf, denn eigentlich brauchte keiner mehrere Armbanduhren - aber alle wollten sie haben. Die enorme Vielfalt sorgte dafür, dass die Uhr zum modischen Accessoire wurde. Etwas später, gegen Ende der 80er/Anfang 90er Jahre, eroberte Swatch zudem den Bereich Funsport und Trendsport, und wurde auch hier ein modisches und funktionales Merkmal. Und so kam es, dass viele nicht nur eine Swatch Uhr ihr Eigen nennen konnten, sondern mehrere - die Sammelleidenschaft begann. Sammler aus den 1990er Jahren besitzen bis heute teilweise 70-100 verschiedene Einzelexemplare, nicht selten sogar deutlich mehr. Dabei liegen die Werte irgendwo zwischen 50 Euro und 200 Euro, je nach Begehrtheit und Rarität.
Nach heutigem Standard sind die Plastikprodukte zwar kaum mehr nennenswert, die Sammelleidenschaft aber hat bis heute nicht nachgelassen. Spezielle Foren aus allen möglichen Ländern beschäftigen sich tagtäglich mit dem Thema, und Onlineauktionshäuser haben sogar teilweise eigene (Unter-) Plattformen extra für Swatch. Doch die Marke gibt es auch weiterhin. Spezielle Serien wie die "Irony" - die wieder auf das klassische Metallgehäuse setzt, sind schwer im Trend, und der Sammelwahn geht weiter. Denn so lange Swatch Uhren produziert, so lange findet auch der Sammler kein Ende und keine Ruhe - es gibt viel zu entdecken.